Montag, 12. Oktober 2026

Aber Wrac'h

 Ein recht seltsamer Ortsname der wohl aus dem bretonischen stammt. Ausgesprochen:Aberwrack, naja. So hat es uns ein Brite in Roscoff erklärt.

Man fährt durch dramatisch wirkende Felsformationen einen Fluß hoch bis zum genannten Ort. Dort hat man die Wahl zwischen einer Marina oder Anlegen an Ankerbojen. Wir wählten das zweite, da wir keine Lust zum Anlegen hatten und vor allem, früh los wollten. Der Chenal du four lag vor uns, da kann man wieder mal nur  bestimmten Zeiten durchfahren. 

Sieht ganz nett aus, täuscht aber

Die Leute die die Bojen und den Hafen betreiben sind recht profitorientiert, um das nett aus zu drücken. Der Platz an der Boje kostet praktisch das gleiche, als wenn man in den Hafen geht und dann Dusche, Wasser und Strom zusätzlich hat. Aber, zu uns kam niemand zum kassieren, weder abends, noch am nächsten Morgen. Hinterhertragen wollte ich denen das Geld auch nicht, also war es für uns umsonst.

Abends fing es ziemlich an zu müffeln, da scheint wohl einiges an Dreck den Fluß hinunter zu fließen. Wir sind dann am Morgen sehr früh, direkt in der Dämmerung los um den Chenal du Four zu bezwingen.



Sonntag, 11. Oktober 2026

Dielette nach Paimpol und Roscoff

Nachdem ich mich nun wieder einigermaßen fit fühlte, wollten wir weiter. Passend erschien uns Paimpol, das sollte an einem Tag, also von hell morgens bis zur Dämmerung machbar sein. Um die Zeit, früher Abend war auch die Einfahrt nach Paimpol noch möglich. Pampol ist ein Gezeitenhafen, man kommt nur so ca. zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach Hochwasser rein, ansonsten ist die Zufahrt zu flach. Unsere Route würde uns an den Kanalinseln, Jersey und Guernsey vorbeiführen. Dort anzulanden hatten wir verworfen, man braucht ein Visum was wir nicht hatten und  die Preise in den Marinas sind unverschämt, das wurde auch nicht durch das billige Tanken kompensiert. Selbst für das Ankern brauchte man ein Visum, also Kanalinseln abgehakt. 
Wir waren verdammt langsam, der Wind war unstet, es lief nicht. 
Kein Wind


Es wurde später und später und unser Fenster für die Einfahrt nach Paimpol schloß sich. Wir wären statt um acht herum erst Mitternacht vor Paimpol angekommen, das war keine Option, dann dort 6, 7 Stunden auf und abkreuzen erschien uns nicht verlockend. Nacht in diesen Gewässern zu ankern, also das Ankermanöver des Nachts zu fahren war uns zu riskant. Diese Küste ist äusserst felsig und zerklüftet, ein Fehler kann da das Boot kosten. Also beschlossen wir weiter Richtung Roscoff zu fahren, die Nacht durch und dann dort irgendwo zu ankern. Die Nacht war lang, wir mussten wegen des Windes weite Schläge machen, aufkreuzen um überhaupt ein wenig in Richtung unseres Ziels zu gelangen. 
Sonnenaufgang


Als wir dann vormittags am geplanten Ankerplatz ankamen fing der Wind an aufzudrehen. Von vorher 10-15kn waren wir dann bei 25-30kn. Die Einfahrt zum Ankerplatz war eng, links und rechts Felsen. Wir setzten einmal an da rein zu fahren, aber das war mir dann nicht geheuer. Also Planänderung, wir gehen in die Marina nach Roscoff. Die war jederzeit anfahrbar. Anett fragte per Whatsapp an, uns wurde ein Platz reserviert. Die Anfrage nach Anlegehilfe auf Kanal 09 per VHF funktionierte eher weniger, die waren nicht zu verstehen. Also noch mal angerufen, Bingo. Nach kurzer Wartezeit an der Einfahrt kam der Marinero mit dem Schlauchboot und geleitete uns zu unserer Box. Beim Anlegen half dann noch der freundliche Nachbar, der Marinero drückte uns in die Box, alles Super. Wir hatten ja immer noch 25kn Wind, da war das alles sehr willkommen.

Etwas wirre Route



Roscoff selber ist ein kleines Städtchen, die Marina ist gut. Wir blieben zwei Tage, bisschen erholen und Lebensmittelvorräte auffüllen. Der Supermarkt war eine gute Stunde zu laufen, sage niemand das man als Segler keine Bewegung hat.  


Freitag, 9. Oktober 2026

Dielette

 Davon ab gesehen, das Dielette nun direkt am KKW Flamanville liegt, uns stört das nicht sonderlich, ist es ein angenehm ruhiger, netter Ort. Es ist wenig los, ein Supermarkt ist ca. 30 Minuten zu laufen, ein zweiter ungefähr eine Stunde weg, es gibt einen mobilen Crepe und Waffelstand, einen wunderbaren Strand, eine sehr schöne Marina mit freundlichen Mitarbeitern, 

Marina Dielette


zwei Restaurants die wir nicht besucht haben, direkt in der Marina,  und ein besseres Restaurant, so 200m entfernt von der Marina, in dem wir Anetts Geburtstag gefeiert haben. Das war es im wesentlichen. Wir hatten ja nun ungefähr eine Woche Zeit, soviel hatte ich mir für die Rekonvaleszenz gegeben, also genug Zeit um alles zu ergründen und abzulaufen. Die ersten zwei Tage nach meinem Spass mit der Nierenkolik war ich komplett down und habe gar nichts gemacht. Anett ist zur Apotheke, zum Supermarkt und natürlich zum Crepeswagen gelaufen.

Wir liegen im Aussenteil der Marina

Da gehts zum Kraftwerk

Nachdem ich mich einigermaßen erholt hatte, bin ich dann auch mit gelaufen, Bewegung soll ja gut tun, sagt man. Wir hatten über Maps gesehen, das es eine Craftbeer Brauerei geben soll, also haben wir uns dahin auf gemacht. Die gab es dann wirklich, sah mehr aus wie ein Bauernhof, was es wohl auch mal war. Dort haben wir dann zwei deren Biere verkostet, die waren gut, nicht exzeptionell, aber gut.

Craft Bier, lecker, in rustikaler Umgebung

Anett wollte nun endlich mal Speerfischen gehen, Fische gab es im Hafen genug, sie schwammen überall herum, große Meeräschen, in Englisch: Mulllets.

Im Hafen darf man natürlich nicht fischen, also haben wir das Dinghi fertig gemacht, Anett ist in den Neo geschlüpft, ich habe nur den Fahrer gemacht. Wir sind dann vor die Hafenmauer gefahren, Anett ist ins Wasser und ich habe auf sie aufgepasst. Nach nicht mal fünf Minuten war die erste Mullet erlegt und wir eigentlich fertig. Der Fisch war mehr als groß genug für zwei und so haben wir die Jagd beizeiten wieder beendet. 

Anders gehalten hätte man die Größe besser gesehen

Groß genug für zwei.

 
Frischer Rosmarin direkt vom Strauch + Fisch + Kartoffeln: Ein Gedicht.

Fantastische Sonnenuntergänge mit viel Drama gab es auch.






Wegen des aufkommenden Sturmes, siehe Fotos vorher, zogen wir in den Innenhafen, aussen war es zu ungeschützt, die Wellen brachten den Steg zum Tanzen, das wurde mit der Zeit recht unangenehm im Boot.


Da war es deutlich ruhiger.


Anetts Geburtstag wurde zünftig im schicken Restaurant gefeiert, mit hervorragendem französischem Essen, vorrangig aus dem Meer.

Einmal Gratiniert und einmal Roh

Leeecker!

Nach einer Woche fühlte ich mich dann fit genug für die nächste Etappe, es sollte nach Paimpol gehen. 



Sonntag, 27. September 2026

Intermezzo

 Das gab einige Premieren. Das erste mal mit Blaulicht in die Notaufnahme, das erste mal als Patient im Krankenhaus, ok, ich habe es nur bis in die Notaufnahme geschafft, aber trotzdem, das war neu. 

Die Notaufnahme in Cherbourg, nach Cherbourg wollten wir ja eigentlich nicht.., ist kein schöner Ort, wäre es ein Hotel würde ich einen Stern vergeben. Ich habe da neun Stunden gesessen, mit den schlimmsten Schmerzen ever. Ab und zu hatte ich mal eine Untersuchung, das ging dann bis zum CT. Die Ärzte und Pfleger waren im wesentlichen freundlich, aber man hat gemerkt das man in der Priorität nicht sonderlich vorne dran war. Mit Schmerzmittel waren sie recht geizig, gelegentlich gab es mal Nachschub, so wirklich gereicht hat es aber nicht. Ein Problem war die Sprachbarriere, ich kann null französisch, die konnten nur sehr wenig Englisch, so lief viel über Übersetzungsapps. Das macht es auch nicht besser oder einfacher. 

Am Ende kam dann heraus, Nierenkolik verursacht wohl durch einen kleinen Nierenstein. Der soll, da so klein, dann irgendwann von selbst abgehen. 

Zum Schluss haben sie mir noch mal einen großen Schuss Schmerzmittel gegeben, das hat dann endlich mal gewirkt, und mich um 04:00 morgens vor die Tür gesetzt. Ein Rezept für eine ganze Reihe Schmerzmittel haben sie mir auch noch mit gegeben, aber vergessen zu erwähnen das am Sonntag praktisch keine Apotheke aufhat. Und es war Sonntag. 

Zum Glück hatte Anett ein Hotel gefunden, sie holte mich von der Notaufnahme ab und ich konnte endlich mal duschen und ins Bett. 

Am Morgen haben wir uns einen Bus gesucht und sind zurück zur Marina gefahren. Sehr stark subventionierte Buspreise, egal wie weit man fährt, 1€.

Anett hat es dann geschafft über die sehr freundliche und hilfsbereite Hafenmeisterin eine Apothekerin aufzutreiben die bereit war am Sonntag das Rezept einzulösen. 

Drei verschiedene Schmerzmittel, die waren auch nötig

Wir würden nun mindestens eine Woche in Dielette bleiben, je nach dem wie schnell es mir wieder besser gehen wird.



Samstag, 26. September 2026

Saint Vaast nach Dielette

Nach unserer ersten Nacht vor Anker im Meer, vorher hatten wir immer nur innerhalb, also hinter, uns vom Meer abtrennenden Schleusen geankert, ging es Richtung Dielette. Cherbourgh wollten wir auslassen, große Stadt, Marina mitten drin, laut. Da hatten wir keine Lust drauf. Der Anker hatte nicht sonderlich gut gehalten, wir waren über Nacht ca. 30m gerutscht. Kein Drama, es war reichlich Platz rings herum, aber trotzdem nicht gut. Wir sollten den Anker das nächste mal besser einfahren. Ich hate am morgen nach dem Frühstück ziemlich krasse Bauchschmerzen, schob das auf die neuen französischen Bio Haferflocken, es legte sich aber nachdem ich genug mit dem Segeltrimm und weiteren Bootssachen zu tun hatte. Anfangs lief das Segeln ganz gut, dann drehte der Wind und wir mussten wieder mal Motorsegeln. Das Raz Blanchard bzw. Race of Alderney ließ uns da keine Wahl. Da muss man zu richtigen Zeit und bei dem richtigem Wetter da sein. Am Ende war das Race richtig zahm, Bisschen Wind, gleiche Richtung wie der Strom, Ententeich. Es hat uns da einfach zügig durch gesaugt.

 
Nix los im Race.



Dielette ist erst mal ein recht winziger Ort, hat aber eine sehr interessante Nachbarschaft. KKW Flamanville. Praktisch direkt neben der Marina. Spannend.


Zufahrt zur Marina Dielette.



Anlegen am Längssteiger war easy, der war im äusseren Teil der Marina, die hatten gerade Probleme mit ihrem Fluttor, so das man nicht in die innere Marina fahren konnte. Aber das war erst mal kein Problem. Nach dem einchecken im beim Hafenmeister, wieder auf dem Boot fand ich mich  plötzlich auf dem Boden wieder, mich krümmend wie ein Wurm. Solche Schmerzen im Unterbauch wie noch nie zuvor. Da das nicht wieder aufhören  wollte, hat Anett die Rettung über das Hafenmeisteroffice gerufen. 
Ende des Kapitels....


 

Montag, 24. August 2026

Saint Vaast la Hogue

St. Vaast ist ein recht touristisches Städtchen, berühmt für seine Austern und sicher auch für sein Musikfestival. Wir hatten das Glück, genau in der Zeit dieses Festivals vor Ort zu sein und dazu noch in der ersten Reihe zu sitzen.Unser Liegeplatz lag genau gegenüber der Bühne, so das wir alles hautnah verfolgen konnten. Die haben die Verstärker nicht bis zum Maximum aufgedreht und zu einer christlichen Zeit die Musik eingestellt, also war das auch nicht lästig. Die Musik war sehr vielseitig, von Rave bis zu französischer Rockmusik, Irish Folk, Zigeunermusik, Chansons, alles dabei. Am Sonntag morgen wurde ausführlich getanzt, Square Dance auf französisch. Die Stadt selber ist nicht allzu groß, eine Einkaufsmeile mit vielen Restaurants, Creperien, Fisch und Meeresfrüchte Geschäften, einem überteuerten Touristen Supermarkt, einen Super Bäcker mit großartigen Baquettes, Croissants und auch gutem Brot. Zum Einkaufen bin ich dann mal in den Nachbarort gelaufen, der hiesige Netto hat nix getaugt, gegen so einen Intermarchee ist der echt schlecht. Da ich viel Zeit hatte, habe ich verschiedene Dinge am Boot erledigt. Die Softschäkel für die Reffs gebaut,


Softschäkel


eine Halterung für unsere Angelrute montiert

Petri Heil für uns

und noch so einiges mehr. Die Zeit war da, weil Anett einen ungeplanten Termin in Sachsen hatte, da ist sie per Taxi, BlaBlaCar und Flixbus nach Bdorf und dann per Flixbus, Zug und Bus zurück nach Saint Vaast. Eine Odyssee über 5 Tage. 
Wir wollten dann eigentlich am Donnerstag rausfahren und draussen vor Saint Vaast ankern, bevor es weiter geht, aber da war zu viel Wind, das hätte mehr Stress als Spass beim Ankern bedeutet. Also sind wir erst am Freitag raus und haben dann wie geplant vor St Vaast den Anker fallen lassen. Beim Abtauchen des Ankers hatte Anett dann eine Begegnung der dritten Art. Einen Mondfisch! Wie verrückt ist das denn. Damit hätte hier keiner von uns gerechnet. 
Mondfisch, keine Schildkröte!

Leckere Saint Vaast Austern

Erste Reihe beim Konzert

Amphibienfahrzeug zur Festungsinsel Tatihou

Noch ne Festung, La Hogue

Die Felgen!...

Die Einfahrt in den Hafen bei Niedrigwasser

Niedrigwasser, im Hintergrund die Austernbänke



Der große Sprung

 Nach viel hin und her Überlegen, welches nun unser nächstes Ziel sein soll, Dieppe, Fecamp oder gar Le Havre kamen wir zunächst auf Bolougne sur mer, ist am nächsten dran, kennen wir auch schon. Das war aber auch die Crux, wir mögen die Stadt und vor allem die Marina beide gar nicht. Sie liegt ziemlich bescheiden an der Mündung des dortigen Flußes, der zum einem für eine Dreckbrühe sondersgleichen sorgt und für heftige Strömungen im Hafen, wenn die das Wehr aufmachen. Und bei Niedrigwasser schaut man direkt in den Untergrund von Bolougne, der ist nicht hübsch und stinkt. Lange Rede, wir entschieden uns, direkt nach Saint Vaast la Hogue zu gehen, ein Törn von 200 Meilen direkt durch den englischen Kanal. Das Wetter war so halbwegs angesagt, bis 20 Knoten Wind, das war akzeptabel. Der Routenplaner hatte so 34 Stunden angesagt, also schon ein laaanger Trip. Und  lauter Premieren für uns, erster echter Über Nacht Törn, das erste mal aus der 12 Meilen Zone raus, das erste mal länger als einen Tag am Stück unterwegs. 
Es würde also interessant werden.

Start in Dünkirchen war 05:00, da wir auf jeden Fall bei Tageslicht am Ziel ankommen wollten. Diesmal war der Wind im Wesentlichen von der Seite, der Segler sagt Halbwind oder von schräg hinten, Raumschots, angesagt. Das ist ein wesentlich angenehmeres Segeln als mit Wind von schräg vorn -Am Wind, es zieht weniger im Cockpit und man hat weniger Schräglage. 
Wir hatten schon beim setzen des Großsegels direkt das erste Reff eingebunden, es war ja etwas mehr Wind angesagt. Dabei musste ich feststellen, das das neue Großsegel noch so steif war, das ich den Ring der im Reffhaken einzuhängen ist, nicht eingehängt bekomme. Da musste ich mir mit einem zum Glück vorhandenen Dynema-Loop helfen. Den hatte ich vor einiger Zeit mal als Übungsobjekt fürs Spleißen gebaut.  

Der hält einige Tonnen Last aus

Da muss ich mir noch Softschäkel für alle drei Reffs basteln und die dauerhaft installieren. 

Ablegen in Dünkirchen , natürlich mit Strömung, deswegen einigem Manövrieren und dann raus.


Dünkirchen Industrieromantik

Drausen erwartete uns ein frischer Wind, das Reff war also goldrichtig. Wir segelten erst mal relativ an der Küste entlang. Die erste Hürde die es zu Überwinden galt war Calais. Dort werden viele der Kanalfähren unseren Weg kreuzen. Die sind verdammt schnell. Wir haben zwar im Prinzip als Segler Vorfahrt, aber darauf möchte man sich ungern verlassen. Es war dann aber beherrschbar, zwei der Fähren verliesen kurz vor uns den Fährhafen, drei von denen kamen von Dover herein. Wir sind dann einige male ein wenig ausgewichen um hinter denen durch zu gehen. Alles nicht dramatisch oder knapp. Aber wir waren dann doch froh, da durch zu sein. 
Dann ging es die Küste entlang Richtung Bolougne sur mer. Leider war der Wind etwas zu sehr von hinten, so das wir doch gelegentlich wenden, bzw. halsen mussten. Direkt vor dem Wind geht mit unserer Besegelung nicht, wir brauchen einen gewissen Winkel zum Wind um segeln zu können. Das kann man schön an der Kurslinie sehen, wo wir drehen mussten. Zum Glück war es nicht so oft, als das es in Stress ausartete.


Wir wollten so dicht wie es möglich war am Verkehrstrennungsgebiet entlang segeln, meiner etwas naiven Vorstellung folgend, das dort nicht so viele Fischerboote fischen.  Das war aber ein Irrtum, Fischerboote ohne Ende, ständig mussten wir denen ausweichen. Das war dann, gerade nachts etwas lästig. 

Der Wind wurde immer stärker, die Wellen immer höher, als dann bei den Wenden Anett immer mehr Mühe hatte das Boot auf Kurs zu halten, beschlossen wir das zweite Reff ins Groß zu binden und auch das Vorsegel ein wenig zu reduzieren. Das war eine gute Entscheidung, zwar wie immer nicht rechtzeitig, aber lieber spät als nie.

Sonnenuntergang auf See

So segelten wir in die Nacht. Wir wollten beide auf bleiben, Anett traute sich nicht zu das Boot nachts alleine zu führen, ich hätte wegen des dichten Verkehrs eh keine Ruhe gehabt. Unten schlafen wollte Anett auch nicht, da sie, wenn sie sich unten aufhält ein wenig zur Seekrankheit neigt. Pillen helfen aber.  Ab der Dunkelheit haben wir uns dann auch permanent mit den Lifelines eingepickt, also fest mit Ösen im Cockpit angebunden. Wenn nachts einer über Bord geht ist das ein echtes großes Problem. 
Im Verkehrstrennungsgebiet(der rosa Bereich im Kursverlauf) war viel los, eine Perlenkette von Schiffen in jede Richtung. Dazu sehr viele Fischer, man hatte im Prinzip keine Ruhe, musste ständig aufmerksam sein. Aber das hält einen wach. 

Unser Kursverlauf bis Mitternacht

 Wie man sehen kann war wir mal richtig schnell, 11kn, da hatten wir die Strömung mit uns. Wind maximal 30kn, das ist auch ordentlich. Die Wellen waren mittlerweile auch auf ca. 2m angewachsen, ein, zwei mal lagen wir quer zu den Wellen, das war schon ein interessantes Gefühl wenn dabei das Boot so richtig tief krängt.

Ab einer Entfernung von mehr als 12 Meilen von der Küste schaltet Starlink das Internet weg, man muss dann den Ocean Priority Modus einschalten um wieder online zu sein, kostet 1,97€ pro GB. Das hat dann dann aber prima geklappt. Ich habe es nur dummerweise vergessen wieder abzuschalten, als wir dann innerhalb der 12 Meilen Zone waren, das waren dann paar Euro unnötige Extrakosten. 

Anett hat dann gelegentlich mal 10 Minuten geschlafen, ich anscheinend auch, jedenfalls hat Anett mich mit Augen zu erwischt

Beim Pennen erwischt


Im Laufe der Nacht nahm der Wind dann, wie angesagt, ab. Wir wurden deutlich langsamer, aber das Segeln wurde auch angenehmer. Unterwegs kreuzte dann dieser Dampfer in nur 600m Entfernung. Ein Bilderrätsel...



AIDA Perla, ganz deutlich :), Diskodampfer


Leider haben wir zu spät die Reffs rausgenommen, so das wir einiges an Zeit verloren haben. Das hat sich dann ein wenig als Nachteil herausgestellt. Schließlich wurde der Wind so schwach und aus der falschen Richtung kommend, das wir den Diesel angeworfen haben und motorgesegelt sind. 
Unser Ziel war Saint Vaast la Hogue, ein Hafen dessen Einfahrt nur um Hochwasser befahrbar bzw. das Tor nur dann geöffnet ist. Bei Niedrigwasser fällt die Einfahrt komplett trocken. 
Leider würden wir, da wir in der Nacht zu langsam waren, die Öffnungszeit am Nachmittag nicht schaffen. Also hieß es, vor Saint Vaast ein wenig auf und ab zu segeln, Wind war wieder gut, also kein Problem. Erst hatten wir überlegt zu ankern, waren aber zu platt von der langen Nacht, da erschien uns das Segeln einfacher.

Um 20:20 durften wir dann hereinfahren. Es war aber ein Fehler direkt nach dem Öffnen des Fluttores einzufahren, es stand eine mörderische Strömung(scheint meine Nemesis zu sein)  in den Hafen hinein.  An der freien Box standen Leute, so das ich dachte die Box ist schon besetzt. Ich bin dann vorbeigetrieben, muss man sagen, habe den Leuten zugewinkt und die signalisierten dass die Box doch frei ist. Beim Versuch zu wenden musste ich wirklich voll Power geben um gegen den Strom anzukommen. Das war aber mal ganz gut für den Diesel, der hatte in letzter Zeit bissel gequalmt, das ist jetzt fast weg. Anscheinend hat sich da einiges frei gebrannt. Die Anfahrt auf die Box war dann auch spannend, wegen tada. Strömung. Am Ende hat aber alles gepasst und wir lagen fest in Saint Vaast la Hogue. 205 Meilen und 40 Stunden nach dem Start in Dünkirchen. Es war weniger schlimm als erwartet, ich hätte nicht gedacht, das ich 40 Stunden ohne Schlaf so relativ locker wegstecke. Anscheinend hat man da genug Adrenalin in sich, das man das durch hält.

Leider ist unterwegs in unserem Druckwassersystem ein Schlauch von einer Tülle gerutscht, so das unsere Trinkwasserpumpe fröhlich 200l Wasser ins Boot gepumpt hat. Da hatten wir für den nächsten Tag eine Aufgabe, all das Wasser wieder aus der Bilge und anderen Stellen herauspumpen. 

Aber erst mal hieß es ausschlafen.

Zweiter Teil des Törns


Freitag, 21. August 2026

Dünkirchen

 Wenn man mit dem Boot nach Dünkirchen reinfährt, denkt man erst mal "Oh Gott". Eine Industrieskyline vom feinsten, so muss früher der Ruhrpott aus gesehen haben. Also in den Siebzigern.
Aber, wenn man dann in der Marina liegt, relativiert sich das. Der Charme ist immer noch rau, aber es ist charmant. Die Stadt ist eine Mischung aus alt und neu, vieles ist im WKII zerbombt worden, was stehen blieb, lässt erahnen, das Dünkirchen einmal eine schöne Stadt war.  

Wer an Geschichte interessiert ist, kann hier viel Zeit in den Museen verbringen, für uns ist das eher nix. Wir sind durch die Stadt flaniert, haben lecker gegessen und getrunken, uns auf dem Wochenmarkt durch die Mengen gedrängt und und ansonsten einfach nur entspannt und erholt. Achja, schwimmen waren wir auch, schöner Stadtstrand, durch die großen Tidenunterschiede mal weit zum Wasser, mal weniger weit, das waren sicher 600m Differenz.

 



Neue Häuser im alten DK Stil




Frühstück(ernsthaft!)

Anchovis - muss man mögen



Frühstück zu unserem 30. Hochzeitstag, das Diner war dann etwas feierlicher.






Joke am Rande, in der Marina waren wahnsinnig viele Dänen, wir wunderten uns, alle hatten DK am Boot stehen, bis uns dann klar wurde DK=Dunkerque, wir Dummies.....





Mittwoch, 19. August 2026

Wilde Fahrt nach Dünkirchen

 Für den 6.8. war leider der Wind komplett aus der falschen Richtung angesagt. Wir würden also die ganze Strecke gegen an segeln müssen. Das kann man sportliches Segeln nennen oder nervig. Der Spruch "Gentleman don't sail upwind" hat schon seinen Sinn.  Aber wir hatten keine Wahl, ab 07. war gar  kein Wind mehr angesagt und vom Motoren hatten wir erst mal genug. Also Augen zu und durch.

Los ging es schon mal blöd, wir lagen längs am Steg, vor uns ein Boot, hinter uns ein Boot, Abstand eher gering. Wind hat genau von 90° auf den Steg geblasen, um die 15kn. Wir sind um 05:00 los, da konnten wir die vor uns schlecht wecken und bitten mal 5m weit um zu parken, damit wir rauskommen. Mein Versuch rückwärts einzudampfen hat schon mal nicht geklappt, das einzige Ergebnis war ein verlorener Kugelfender. Also mit dem Bootshaken wegdrücken, gegen den Wind. Daran ist Anett dann gescheitert, da fehlen ihr paar Kilo Lebendgewicht um die 12t Boot vom Steg abzudrücken, wenn der Wind drauf steht. Also Position getauscht, Anett fährt, ich schiebe was das Zeug hält. Das hat dann funktioniert, wir kamen raus und konnten nun zu nicht weit entfernten Roompot Schleuse fahren.  Die war, bis auf ein weiteres Segelboot recht leer. Geschleust, rausgefahren, Wind und Strom voll auf die Mütze. Also heißt es wieder mal aufkreuzen bis der Winkel zum Wind besser ist. Das sah dann so aus:

Kreuzen, was das Zeug hält

Mühselig, langsam, anstrengend. Aber wir haben es durch gezogen. Nachdem wir um die Ecke rum waren, hat der Winkel dann gerade so gepasst das wir extrem hoch am Wind in unsere gewünschte Richtung segeln konnten. An der Westerschelde und Zeebrügge sind wir auch gut vorbei gekommen, der Verkehr war recht gemässigt. Mit viel Lage ging es dann Richtung Süden. 

Lage und Speed




Vorbei an Blankenberge, Oostende und Nieuwport kamen wir Dünkirchen langsam näher. Ab Nieuwport muss man dann recht aufmerksam wegen der Sände sein, sonst sitzt man schnell mal auf Grund. Ungefähr 10 Meilen vor Dünkirchen sollte man dann dem betonnten Fahrwasser folgen da es links und rechts flach wird. Da haben wir die Segle dann runtergenommen und sind weiter motort, in dem engen Fahrwasser macht kreuzen keinen Spass. Nach fast 15 Stunden und knapp 80 Meilen begrüßte uns das liebliche Panorama von Dünkirchen


Dünkirchen

Wenn man dann drin ist, sieht das nicht mehr so schlimm aus. Das Anlegen im Yachthafen war wieder mal interessant, Alles hat gestimmt, Genug Platz, Wind von der Seite so das es uns sanft auf den Fingersteg drückt, nahezu perfekt. Wenn, ja wenn da nicht diese dumme Strömung im Hafen gestanden hätte die mir mein geplantes Manöver versaut hat. Ich bin schön rein gefahren, habe gewartet das uns der Hauch Wind auf den Steg schiebt, aber Pustekuchen, uns drückt es weg vom Steg, auf das Nachbarboot(wir waren aber gut abgefendert, nix passiert). Damit das auch richtig blöd wird, hatte der Festlieger, der normalerweisse diesen Platz inne hat, um alle Klampen am Steg Leinenhaufen gebildet, so das Anett keine Chance hatte eine der Klampen zu fangen. Zum Glück kamen dann zwei deutsche Segler die uns erlösten. Das war noch mal ein Schub Adrenalin zu Abschluss. Am Ende lagen wir fest, haben unser Anlegebier getrunken und waren froh, endlich da zu sein.


Roompot Marina nach Dünkirchen



Das letzte mal binnen, von Dintelmoond in die Roompot Marina

 Am 4.8. war es nun endlich soweit. Wir starten.


Wind war nun gar nicht angesagt, also hieß es motoren. An der ersten Schleuse, die zwischen der  Dintelmoond Marina und dem Volkerak liegt, mussten wir schon mal ganz schön lange warten. Dann kam ein dickes Frachtschiff, für den wurde dann die Schleuse geöffnet. Wir waren uns nicht ganz sicher ob wir noch mit rein passen, sind dann aber trotzdem rein, eng aber noch möglich. Freundlicherweise hat der Dickschiffskipper mal nicht die Schraube mitlaufen lassen, so das  wir ganz entspannt mit schleusen konnten.  Auch beim herausfahren aus der Schleuse hat er sehr vorsichtig agiert, einen Dank nachträglich dafür. Das hatten wir auch schon ganz anders. 

Nun hieß es motoren, lange motoren. Der neue Autopilot tat genau das war er sollte. Was will man mehr. Die nächste Schleuse, die Kramer Schleuse war auch Uhrzeit und Wochentags entsprechend schön leer, also war wieder problemloses Schleusen angesagt. 

Danach waren wir endlich wieder im Salzwasser, raus aus dem Spinnen und Mückenland. Wind kam  nicht auf, also musste der Diesel weiter dieseln. Leider schafften wir die Brückenöffnungszeit um Um nicht, also mussten wir auf die nächste Öffnung warten. Das gab uns Gelegenheit zum Testen der Wassermachers. bzw. zum Initialisierungslauf. Während der erste Teil noch problemlos klappte, also entlüften und spülen, stellte sich beim zweiten Schritt, bei dem der Wassermacher den richtigen Druck aufbauen sollte heraus, das ich wohl doch nicht alle Schlauchschellen so richtig fest angezogen hatte. An drei Stellen spritzte fröhlich Wasser mit ca. 8 Bar heraus. Schnell brach ich den Test ab und vertagte ihn auf später. 

Da noch Zeit war, gingen wir beide eine Runde schwimmen, zur Sicherheit nacheinander. Es gibt nix blöderes als sein Boot wegfahren zu sehen, während man gerade bisschen planscht.



Dann ging es, vermutlich ein letztes mal, durch die Zeelandbrücke.


Zeelandbrücke

Nochmal durch...


Am Ende eines langen Tages gelangten wir in die Roompot, gingen direkt an den Gästesteiger, da kann man ganz bequem längs anlegen. Damit hatten wir uns zwar eine unnötige Schwierigkeiten eingehandelt, aber dazu später.

Sonnenuntergang in der Roompot

 


Zwei Tage blieben wir in der Roompot, waren noch mal schwimmen an der Beach, in unserer bevorzugten Fischbude und natürliche in der besten Dusche in Zeeland :) .

Aber Wrac'h

 Ein recht seltsamer Ortsname der wohl aus dem bretonischen stammt. Ausgesprochen:Aberwrack, naja. So hat es uns ein Brite in Roscoff erklär...