Montag, 24. August 2026

Saint Vaast la Hogue

St. Vaast ist ein recht touristisches Städtchen, berühmt für seine Austern und sicher auch für sein Musikfestival. Wir hatten das Glück, genau in der Zeit dieses Festivals vor Ort zu sein und dazu noch in der ersten Reihe zu sitzen.Unser Liegeplatz lag genau gegenüber der Bühne, so das wir alles hautnah verfolgen konnten. Die haben die Verstärker nicht bis zum Maximum aufgedreht und zu einer christlichen Zeit die Musik eingestellt, also war das auch nicht lästig. Die Musik war sehr vielseitig, von Rave bis zu französischer Rockmusik, Irish Folk, Zigeunermusik, Chansons, alles dabei. Am Sonntag morgen wurde ausführlich getanzt, Square Dance auf französisch. Die Stadt selber ist nicht allzu groß, eine Einkaufsmeile mit vielen Restaurants, Creperien, Fisch und Meeresfrüchte Geschäften, einem überteuerten Touristen Supermarkt, einen Super Bäcker mit großartigen Baquettes, Croissants und auch gutem Brot. Zum Einkaufen bin ich dann mal in den Nachbarort gelaufen, der hiesige Netto hat nix getaugt, gegen so einen Intermarchee ist der echt schlecht. Da ich viel Zeit hatte, habe ich verschiedene Dinge am Boot erledigt. Die Softschäkel für die Reffs gebaut,


Softschäkel


eine Halterung für unsere Angelrute montiert

Petri Heil für uns

und noch so einiges mehr. Die Zeit war da, weil Anett einen ungeplanten Termin in Sachsen hatte, da ist sie per Taxi, BlaBlaCar und Flixbus nach Bdorf und dann per Flixbus, Zug und Bus zurück nach Saint Vaast. Eine Odyssee über 5 Tage. 
Wir wollten dann eigentlich am Donnerstag rausfahren und draussen vor Saint Vaast ankern, bevor es weiter geht, aber da war zu viel Wind, das hätte mehr Stress als Spass beim Ankern bedeutet. Also sind wir erst am Freitag raus und haben dann wie geplant vor St Vaast den Anker fallen lassen. Beim Abtauchen des Ankers hatte Anett dann eine Begegnung der dritten Art. Einen Mondfisch! Wie verrückt ist das denn. Damit hätte hier keiner von uns gerechnet. 
Mondfisch, keine Schildkröte!

Leckere Saint Vaast Austern

Erste Reihe beim Konzert

Amphibienfahrzeug zur Festungsinsel Tatihou

Noch ne Festung, La Hogue

Die Felgen!...

Die Einfahrt in den Hafen bei Niedrigwasser

Niedrigwasser, im Hintergrund die Austernbänke



Der große Sprung

 Nach viel hin und her Überlegen, welches nun unser nächstes Ziel sein soll, Dieppe, Fecamp oder gar Le Havre kamen wir zunächst auf Bolougne sur mer, ist am nächsten dran, kennen wir auch schon. Das war aber auch die Crux, wir mögen die Stadt und vor allem die Marina beide gar nicht. Sie liegt ziemlich bescheiden an der Mündung des dortigen Flußes, der zum einem für eine Dreckbrühe sondersgleichen sorgt und für heftige Strömungen im Hafen, wenn die das Wehr aufmachen. Und bei Niedrigwasser schaut man direkt in den Untergrund von Bolougne, der ist nicht hübsch und stinkt. Lange Rede, wir entschieden uns, direkt nach Saint Vaast la Hogue zu gehen, ein Törn von 200 Meilen direkt durch den englischen Kanal. Das Wetter war so halbwegs angesagt, bis 20 Knoten Wind, das war akzeptabel. Der Routenplaner hatte so 34 Stunden angesagt, also schon ein laaanger Trip. Und  lauter Premieren für uns, erster echter Über Nacht Törn, das erste mal aus der 12 Meilen Zone raus, das erste mal länger als einen Tag am Stück unterwegs. 
Es würde also interessant werden.

Start in Dünkirchen war 05:00, da wir auf jeden Fall bei Tageslicht am Ziel ankommen wollten. Diesmal war der Wind im Wesentlichen von der Seite, der Segler sagt Halbwind oder von schräg hinten, Raumschots, angesagt. Das ist ein wesentlich angenehmeres Segeln als mit Wind von schräg vorn -Am Wind, es zieht weniger im Cockpit und man hat weniger Schräglage. 
Wir hatten schon beim setzen des Großsegels direkt das erste Reff eingebunden, es war ja etwas mehr Wind angesagt. Dabei musste ich feststellen, das das neue Großsegel noch so steif war, das ich den Ring der im Reffhaken einzuhängen ist, nicht eingehängt bekomme. Da musste ich mir mit einem zum Glück vorhandenen Dynema-Loop helfen. Den hatte ich vor einiger Zeit mal als Übungsobjekt fürs Spleißen gebaut.  

Der hält einige Tonnen Last aus

Da muss ich mir noch Softschäkel für alle drei Reffs basteln und die dauerhaft installieren. 

Ablegen in Dünkirchen , natürlich mit Strömung, deswegen einigem Manövrieren und dann raus.


Dünkirchen Industrieromantik

Drausen erwartete uns ein frischer Wind, das Reff war also goldrichtig. Wir segelten erst mal relativ an der Küste entlang. Die erste Hürde die es zu Überwinden galt war Calais. Dort werden viele der Kanalfähren unseren Weg kreuzen. Die sind verdammt schnell. Wir haben zwar im Prinzip als Segler Vorfahrt, aber darauf möchte man sich ungern verlassen. Es war dann aber beherrschbar, zwei der Fähren verliesen kurz vor uns den Fährhafen, drei von denen kamen von Dover herein. Wir sind dann einige male ein wenig ausgewichen um hinter denen durch zu gehen. Alles nicht dramatisch oder knapp. Aber wir waren dann doch froh, da durch zu sein. 
Dann ging es die Küste entlang Richtung Bolougne sur mer. Leider war der Wind etwas zu sehr von hinten, so das wir doch gelegentlich wenden, bzw. halsen mussten. Direkt vor dem Wind geht mit unserer Besegelung nicht, wir brauchen einen gewissen Winkel zum Wind um segeln zu können. Das kann man schön an der Kurslinie sehen, wo wir drehen mussten. Zum Glück war es nicht so oft, als das es in Stress ausartete.


Wir wollten so dicht wie es möglich war am Verkehrstrennungsgebiet entlang segeln, meiner etwas naiven Vorstellung folgend, das dort nicht so viele Fischerboote fischen.  Das war aber ein Irrtum, Fischerboote ohne Ende, ständig mussten wir denen ausweichen. Das war dann, gerade nachts etwas lästig. 

Der Wind wurde immer stärker, die Wellen immer höher, als dann bei den Wenden Anett immer mehr Mühe hatte das Boot auf Kurs zu halten, beschlossen wir das zweite Reff ins Groß zu binden und auch das Vorsegel ein wenig zu reduzieren. Das war eine gute Entscheidung, zwar wie immer nicht rechtzeitig, aber lieber spät als nie.

Sonnenuntergang auf See

So segelten wir in die Nacht. Wir wollten beide auf bleiben, Anett traute sich nicht zu das Boot nachts alleine zu führen, ich hätte wegen des dichten Verkehrs eh keine Ruhe gehabt. Unten schlafen wollte Anett auch nicht, da sie, wenn sie sich unten aufhält ein wenig zur Seekrankheit neigt. Pillen helfen aber.  Ab der Dunkelheit haben wir uns dann auch permanent mit den Lifelines eingepickt, also fest mit Ösen im Cockpit angebunden. Wenn nachts einer über Bord geht ist das ein echtes großes Problem. 
Im Verkehrstrennungsgebiet(der rosa Bereich im Kursverlauf) war viel los, eine Perlenkette von Schiffen in jede Richtung. Dazu sehr viele Fischer, man hatte im Prinzip keine Ruhe, musste ständig aufmerksam sein. Aber das hält einen wach. 

Unser Kursverlauf bis Mitternacht

 Wie man sehen kann war wir mal richtig schnell, 11kn, da hatten wir die Strömung mit uns. Wind maximal 30kn, das ist auch ordentlich. Die Wellen waren mittlerweile auch auf ca. 2m angewachsen, ein, zwei mal lagen wir quer zu den Wellen, das war schon ein interessantes Gefühl wenn dabei das Boot so richtig tief krängt.

Ab einer Entfernung von mehr als 12 Meilen von der Küste schaltet Starlink das Internet weg, man muss dann den Ocean Priority Modus einschalten um wieder online zu sein, kostet 1,97€ pro GB. Das hat dann dann aber prima geklappt. Ich habe es nur dummerweise vergessen wieder abzuschalten, als wir dann innerhalb der 12 Meilen Zone waren, das waren dann paar Euro unnötige Extrakosten. 

Anett hat dann gelegentlich mal 10 Minuten geschlafen, ich anscheinend auch, jedenfalls hat Anett mich mit Augen zu erwischt

Beim Pennen erwischt


Im Laufe der Nacht nahm der Wind dann, wie angesagt, ab. Wir wurden deutlich langsamer, aber das Segeln wurde auch angenehmer. Unterwegs kreuzte dann dieser Dampfer in nur 600m Entfernung. Ein Bilderrätsel...



AIDA Perla, ganz deutlich :), Diskodampfer


Leider haben wir zu spät die Reffs rausgenommen, so das wir einiges an Zeit verloren haben. Das hat sich dann ein wenig als Nachteil herausgestellt. Schließlich wurde der Wind so schwach und aus der falschen Richtung kommend, das wir den Diesel angeworfen haben und motorgesegelt sind. 
Unser Ziel war Saint Vaast la Hogue, ein Hafen dessen Einfahrt nur um Hochwasser befahrbar bzw. das Tor nur dann geöffnet ist. Bei Niedrigwasser fällt die Einfahrt komplett trocken. 
Leider würden wir, da wir in der Nacht zu langsam waren, die Öffnungszeit am Nachmittag nicht schaffen. Also hieß es, vor Saint Vaast ein wenig auf und ab zu segeln, Wind war wieder gut, also kein Problem. Erst hatten wir überlegt zu ankern, waren aber zu platt von der langen Nacht, da erschien uns das Segeln einfacher.

Um 20:20 durften wir dann hereinfahren. Es war aber ein Fehler direkt nach dem Öffnen des Fluttores einzufahren, es stand eine mörderische Strömung(scheint meine Nemesis zu sein)  in den Hafen hinein.  An der freien Box standen Leute, so das ich dachte die Box ist schon besetzt. Ich bin dann vorbeigetrieben, muss man sagen, habe den Leuten zugewinkt und die signalisierten dass die Box doch frei ist. Beim Versuch zu wenden musste ich wirklich voll Power geben um gegen den Strom anzukommen. Das war aber mal ganz gut für den Diesel, der hatte in letzter Zeit bissel gequalmt, das ist jetzt fast weg. Anscheinend hat sich da einiges frei gebrannt. Die Anfahrt auf die Box war dann auch spannend, wegen tada. Strömung. Am Ende hat aber alles gepasst und wir lagen fest in Saint Vaast la Hogue. 205 Meilen und 40 Stunden nach dem Start in Dünkirchen. Es war weniger schlimm als erwartet, ich hätte nicht gedacht, das ich 40 Stunden ohne Schlaf so relativ locker wegstecke. Anscheinend hat man da genug Adrenalin in sich, das man das durch hält.

Leider ist unterwegs in unserem Druckwassersystem ein Schlauch von einer Tülle gerutscht, so das unsere Trinkwasserpumpe fröhlich 200l Wasser ins Boot gepumpt hat. Da hatten wir für den nächsten Tag eine Aufgabe, all das Wasser wieder aus der Bilge und anderen Stellen herauspumpen. 

Aber erst mal hieß es ausschlafen.

Zweiter Teil des Törns


Freitag, 21. August 2026

Dünkirchen

 Wenn man mit dem Boot nach Dünkirchen reinfährt, denkt man erst mal "Oh Gott". Eine Industrieskyline vom feinsten, so muss früher der Ruhrpott aus gesehen haben. Also in den Siebzigern.
Aber, wenn man dann in der Marina liegt, relativiert sich das. Der Charme ist immer noch rau, aber es ist charmant. Die Stadt ist eine Mischung aus alt und neu, vieles ist im WKII zerbombt worden, was stehen blieb, lässt erahnen, das Dünkirchen einmal eine schöne Stadt war.  

Wer an Geschichte interessiert ist, kann hier viel Zeit in den Museen verbringen, für uns ist das eher nix. Wir sind durch die Stadt flaniert, haben lecker gegessen und getrunken, uns auf dem Wochenmarkt durch die Mengen gedrängt und und ansonsten einfach nur entspannt und erholt. Achja, schwimmen waren wir auch, schöner Stadtstrand, durch die großen Tidenunterschiede mal weit zum Wasser, mal weniger weit, das waren sicher 600m Differenz.

 



Neue Häuser im alten DK Stil




Frühstück(ernsthaft!)

Anchovis - muss man mögen



Frühstück zu unserem 30. Hochzeitstag, das Diner war dann etwas feierlicher.






Joke am Rande, in der Marina waren wahnsinnig viele Dänen, wir wunderten uns, alle hatten DK am Boot stehen, bis uns dann klar wurde DK=Dunkerque, wir Dummies.....





Mittwoch, 19. August 2026

Wilde Fahrt nach Dünkirchen

 Für den 6.8. war leider der Wind komplett aus der falschen Richtung angesagt. Wir würden also die ganze Strecke gegen an segeln müssen. Das kann man sportliches Segeln nennen oder nervig. Der Spruch "Gentleman don't sail upwind" hat schon seinen Sinn.  Aber wir hatten keine Wahl, ab 07. war gar  kein Wind mehr angesagt und vom Motoren hatten wir erst mal genug. Also Augen zu und durch.

Los ging es schon mal blöd, wir lagen längs am Steg, vor uns ein Boot, hinter uns ein Boot, Abstand eher gering. Wind hat genau von 90° auf den Steg geblasen, um die 15kn. Wir sind um 05:00 los, da konnten wir die vor uns schlecht wecken und bitten mal 5m weit um zu parken, damit wir rauskommen. Mein Versuch rückwärts einzudampfen hat schon mal nicht geklappt, das einzige Ergebnis war ein verlorener Kugelfender. Also mit dem Bootshaken wegdrücken, gegen den Wind. Daran ist Anett dann gescheitert, da fehlen ihr paar Kilo Lebendgewicht um die 12t Boot vom Steg abzudrücken, wenn der Wind drauf steht. Also Position getauscht, Anett fährt, ich schiebe was das Zeug hält. Das hat dann funktioniert, wir kamen raus und konnten nun zu nicht weit entfernten Roompot Schleuse fahren.  Die war, bis auf ein weiteres Segelboot recht leer. Geschleust, rausgefahren, Wind und Strom voll auf die Mütze. Also heißt es wieder mal aufkreuzen bis der Winkel zum Wind besser ist. Das sah dann so aus:

Kreuzen, was das Zeug hält

Mühselig, langsam, anstrengend. Aber wir haben es durch gezogen. Nachdem wir um die Ecke rum waren, hat der Winkel dann gerade so gepasst das wir extrem hoch am Wind in unsere gewünschte Richtung segeln konnten. An der Westerschelde und Zeebrügge sind wir auch gut vorbei gekommen, der Verkehr war recht gemässigt. Mit viel Lage ging es dann Richtung Süden. 

Lage und Speed




Vorbei an Blankenberge, Oostende und Nieuwport kamen wir Dünkirchen langsam näher. Ab Nieuwport muss man dann recht aufmerksam wegen der Sände sein, sonst sitzt man schnell mal auf Grund. Ungefähr 10 Meilen vor Dünkirchen sollte man dann dem betonnten Fahrwasser folgen da es links und rechts flach wird. Da haben wir die Segle dann runtergenommen und sind weiter motort, in dem engen Fahrwasser macht kreuzen keinen Spass. Nach fast 15 Stunden und knapp 80 Meilen begrüßte uns das liebliche Panorama von Dünkirchen


Dünkirchen

Wenn man dann drin ist, sieht das nicht mehr so schlimm aus. Das Anlegen im Yachthafen war wieder mal interessant, Alles hat gestimmt, Genug Platz, Wind von der Seite so das es uns sanft auf den Fingersteg drückt, nahezu perfekt. Wenn, ja wenn da nicht diese dumme Strömung im Hafen gestanden hätte die mir mein geplantes Manöver versaut hat. Ich bin schön rein gefahren, habe gewartet das uns der Hauch Wind auf den Steg schiebt, aber Pustekuchen, uns drückt es weg vom Steg, auf das Nachbarboot(wir waren aber gut abgefendert, nix passiert). Damit das auch richtig blöd wird, hatte der Festlieger, der normalerweisse diesen Platz inne hat, um alle Klampen am Steg Leinenhaufen gebildet, so das Anett keine Chance hatte eine der Klampen zu fangen. Zum Glück kamen dann zwei deutsche Segler die uns erlösten. Das war noch mal ein Schub Adrenalin zu Abschluss. Am Ende lagen wir fest, haben unser Anlegebier getrunken und waren froh, endlich da zu sein.


Roompot Marina nach Dünkirchen



Das letzte mal binnen, von Dintelmoond in die Roompot Marina

 Am 4.8. war es nun endlich soweit. Wir starten.


Wind war nun gar nicht angesagt, also hieß es motoren. An der ersten Schleuse, die zwischen der  Dintelmoond Marina und dem Volkerak liegt, mussten wir schon mal ganz schön lange warten. Dann kam ein dickes Frachtschiff, für den wurde dann die Schleuse geöffnet. Wir waren uns nicht ganz sicher ob wir noch mit rein passen, sind dann aber trotzdem rein, eng aber noch möglich. Freundlicherweise hat der Dickschiffskipper mal nicht die Schraube mitlaufen lassen, so das  wir ganz entspannt mit schleusen konnten.  Auch beim herausfahren aus der Schleuse hat er sehr vorsichtig agiert, einen Dank nachträglich dafür. Das hatten wir auch schon ganz anders. 

Nun hieß es motoren, lange motoren. Der neue Autopilot tat genau das war er sollte. Was will man mehr. Die nächste Schleuse, die Kramer Schleuse war auch Uhrzeit und Wochentags entsprechend schön leer, also war wieder problemloses Schleusen angesagt. 

Danach waren wir endlich wieder im Salzwasser, raus aus dem Spinnen und Mückenland. Wind kam  nicht auf, also musste der Diesel weiter dieseln. Leider schafften wir die Brückenöffnungszeit um Um nicht, also mussten wir auf die nächste Öffnung warten. Das gab uns Gelegenheit zum Testen der Wassermachers. bzw. zum Initialisierungslauf. Während der erste Teil noch problemlos klappte, also entlüften und spülen, stellte sich beim zweiten Schritt, bei dem der Wassermacher den richtigen Druck aufbauen sollte heraus, das ich wohl doch nicht alle Schlauchschellen so richtig fest angezogen hatte. An drei Stellen spritzte fröhlich Wasser mit ca. 8 Bar heraus. Schnell brach ich den Test ab und vertagte ihn auf später. 

Da noch Zeit war, gingen wir beide eine Runde schwimmen, zur Sicherheit nacheinander. Es gibt nix blöderes als sein Boot wegfahren zu sehen, während man gerade bisschen planscht.



Dann ging es, vermutlich ein letztes mal, durch die Zeelandbrücke.


Zeelandbrücke

Nochmal durch...


Am Ende eines langen Tages gelangten wir in die Roompot, gingen direkt an den Gästesteiger, da kann man ganz bequem längs anlegen. Damit hatten wir uns zwar eine unnötige Schwierigkeiten eingehandelt, aber dazu später.

Sonnenuntergang in der Roompot

 


Zwei Tage blieben wir in der Roompot, waren noch mal schwimmen an der Beach, in unserer bevorzugten Fischbude und natürliche in der besten Dusche in Zeeland :) .

Wir sind gestartet, endlich.

Nur cirka 4 Monate verspätet, unterwegs in einer anderen Richtung als ursprünglich geplant, sind wir trotzdem glücklich, das es nun endlich los gegangen ist. 

Aber der Reihe nach.

Eigentlich, also eigentlich wollten wir so Mitte April von Dinteloord gen Norden aufbrechen. Dänemark, Norwegen, Etappenziel der ersten Etappe: Island. Das war im Nachhinein gesehen eine ziemlich illusorische Idee die den Umfang der noch zu erledigenden Arbeiten komplett unterschätzt hat. Am Boot dauern nun mal, wie wir lernen mussten, alle Projekte mindestens drei mal so lange wie geplant. Wenn es gut läuft. Das kann auch mehr werden. 

Großprojekte waren: 

- Verbesserung, Refit der Elektrik. Es mussten zum Beispiel dicke Kabel (35 mm^2) quer durchs Boot von der Starterbatterie zur Batterie des Bugstrahlruders bzw. der Ankerwinsch gezogen werden. Die vorhandenen waren viel zu dünn und die Spassvögel hatten 2 rote Kabel verlegt, so das nicht ersichtlich war, was davon Plus und was Minus ist.

- Anschluss der Solarpanele an die Solarregler und die Verbraucherbatterie. Auch hier musste jede Menge Kabel verlegt werden

- Aufräumen und Ertüchtigen des Schaltpanels am Navitisch. Da herrschte ein ziemliches Chaos, was erst mal analysiert werden musste und dann vorsichtig in einen besseren Zustand versetzt wurde. 

- Neuverlegen des Funkkabels im Mast mit dem fachgerechten Anbringen der entsprechenden Stecker(löten)

- Anbringen einer neuen Funkantenne im Masttop mit einer selbst designten Halterung, Funkantenne muss beim Stahlschiff isoliert angebaut werden, da kann man nicht einfach ne Halterung annieten. Also habe ich eine aus UV beständigen Polycarbonat gebaut.

- Neues Kabel für den Windmesser in den Mast ziehen, das alte war beschädigt und uns sind dauernd die Daten des Windmessers ausgefallen deswegen.

- Beseitigen diverser Korrosion und neuen Korrosionsschutz aufbringen

- Großprojekt Küche und Kühlschrank. Ich habe den Kühlschrank, also die Kiste selber gebaut, aus Siebdruckplatte, 40mm Isoliermaterial und Edelstahlplatten für die Innnenseite. Aber beim Einbau in die vorhandene Küchenzeile habe ich dann kapituliert, das war dann definitiv über meinen Möglichkeiten. Also haben wir uns Hilfe geholt, im Ort gab es glücklicherweise einen Bootbauer, der spezialisiert auf Innnenausbau ist, auch weil er gerade ein altes Boot komplett restauriert. Der Robert hat uns dann den Kühlschrank wunderbar eingebaut inklusiver neuer Arbeitsplatte, da hat er dann sogar noch das Induktionsfeld mit eingebaut welches dafür geplant war. 









- Einbau des neuen Autopiloten. Da der vorhandene uralte, nicht netzwerkfähige  Autopilot defekt war, musste ein neuer her. Den habe ich gekauft, aber der Einbau überstieg meine Fähigkeiten wieder deutlich. Die neue Hydraulikeinheit hat andere Abmessungen wie die Alte, also musste das Fundament angepasst werden. Im Yachthafen gibt es einen Yachtservice, der hatte mir zugesagt das zu machen, also den kompletten Einbau. Leider hat er erst einen Monat später als geplant angefangen, da gab es wohl ein kleines Missverständniss bei der Terminabsprache. Nun ja, am Ende wurde der Pilot erfolgreich eingebaut, unter Einsatz von Adapterplatten für das Fundament und funktioniert wirklich tadellos. Eine große Erleichterung beim Segeln und Motoren.

- Einbau Wassermacher. Der Wassermacher besteht aus mehreren Aggregaten die alle durch Schläuche verbunden sind. Da ist der Eingangsseefilter, der dafür sorgt das kein grober Schmutz in die Pumpe gelangt. Dann das Pumpenaggregat das das Seewasser mit ca. 8 bar durch einen Feinfilter in den eigentlichen Wassermacher pumpt.  Der Wassermacher selber, der per Umkehrosmose das Salz etc. aus dem Seewasser entfernt und feinstes Trinkwasser erzeugt. Dazu noch eine Filtereinheit mit Aktivkohlefilter, die dazu dient den Wassermacher nach getaner Arbeit mit Süsswasser zu spülen. Das alles will untergebracht, stabil montiert, der Wassermacher selber wiegt 20kg, und per Schlauch verbunden werden. Man braucht dafür ungefähr 40 Schlauchschellen. Als mein Vorrat an Schellen erschöpft war, wollte ich mir welche im niederländischen Baumarkt nachkaufen, die Irren wollten 5€, pro Schelle. Da habe ich dann lieber noch mal beim Amazon bestellt und halt mit der weiteren Montage gewartet bis ich die hatte. 




- Natürlich haben wir auch das Unterwassserschiff gründlich schön gemacht und mit 5 Schichten Antifouling versehen. 

Vorher


Nachher


- Dazu kamen tausende andere kleine und mittlere Baustellen. 


So gesehen, können wir froh sein, schon am 4. August los gekommen zu sein.


   


Aber Wrac'h

 Ein recht seltsamer Ortsname der wohl aus dem bretonischen stammt. Ausgesprochen:Aberwrack, naja. So hat es uns ein Brite in Roscoff erklär...